FANDOM


Diese Geschichte ist der erste Teil der Jäger-Trilogie. Sie spielt 492 NAD und wird von Lord Aralor geschrieben.

PrologBearbeiten

Die Gestalt unter der Kapuze kam an Bord und die ganze Mannschaft starrte ihn an - manche grimmig, manche hämisch grinsend. Dieser törichte Mensch hatte es doch tatsächlich gewagt, sie ohne Gefolge in einem kleinen Ruderboot aufzusuchen. Sie, das waren die Drachenhändler, skrupellose Kopfgeldjäger, die für einen guten Preis jeden Drachen verkauften, töteten oder weiß sonst was mit diesen Kreaturen anstellten. Der einzige Grund, warum man sich auf ihr Boot wagte, war ein närrischer - ganz besonders, wenn man alleine kam. "Stirb schnell, dann tut es nicht so weh!", flüsterte man dem Neuankömmling höhnisch ins Ohr. Dieser hatte dem Anschein nach kein geringeres Ziel, als den gefürchteten Jäger, ihren Anführer, zu bezwingen und damit die Herrschaft über die Drachenhändler zu erlangen. Sein Tod war da durchaus wahrscheinlicher.

Zielstrebig steuerte der Narr auf seinen Untergang zu: der Jäger stand mit wallendem Mantel über der pechschwarzen Rüstung und der Maske, die kein noch lebender Mensch - abgesehen von den Drachenhändlern - je gesehen hatte. Der Kopfschutz war in der selben Farbe wie der Umhang und die Rüstung und mit komplizierten Mustern bedeckt. Nun begann ihr Träger mit einer gedämpften, aber eindrucksvollen Stimme zu sprechen: "Nun denn, Todgeweihter, ich lasse euch den Vortritt!" Johlend stimmten ihm seine Männer zu. Der "Todgeweihte" zog aus seinem Mantel ein matt schimmerndes Schwert mit einer schmalen Klinge. Ein Gefolgsmann des Jägers warf seinem Herren einen Stab aus dunklem Holz zu. Dann rief der Anführer der Drachenhändler seinem Gegner eine weitere Schmähbemerkung zu: "Worauf wartest du denn? Ich bin doch unbewaffnet." Doch die sechs Jahre der Übung hatten sich bezahlt gemacht und so fiel die Gestalt unter der Kapuze nicht auf diese Finte herein. Langsam lief sie in einem weiten Kreis um den Jäger herum und testete mit angetäuschten Angriffen dessen Reflexe. Sie waren sich mindestenst ebenbürtig, das musste die Gestalt sich eingestehen. Eine letzte Scheinattacke, dann griff er an. Wie erwartet, sprangen Klingen auf beiden Seiten des "harmlosen" Stabs in der Hand des Jägers und mit Leichtigkeit fing dieser das Schwert des Angreifers ab. Blitzschnell lösten sich die Klingen wieder und ein wahrhaftiger Wirbelsturm aus Angriffen und Verteidigung begann. Das Schwert jagte hierhin, der Stab fing es ab. Der Stab sauste vor und wurde nach oben abgelenkt.

Schwer atmend wichen die Gegner voneinander zurück. Mit brüchiger Stimme, die schon weniger mächtig klang, knurrte der Jäger: "Wo habt ihr das gelernt?" "Sagt euch der Name Valentin etwas?", kam die Antwort. "Der alte Kauz? Hat der nicht desertiert?", richtete der Jäger nun seine Worte auffordernd an das "Publikum". Wütende Ja-Rufe, doch der Kapuzenträger unterbrach sie laut: "Nun, er war weit weniger kauzig als ihr, wohl die wahren Narren, dachtet." Plötzlich sprang er mit einem Schrei vor, riss sein Schwert nach oben und ließ es auf den Gegner sinken. Der Schlag traf genau in eine Kuhle des hochgerissenen Stabes. "Ihr seid nicht der erste, der diesen Fehler macht!", rief der Jäger. Er machte eine gekonnte Bewegung und das Schwert seines Gegners sollte wie bei allen Herausforderern aus der Hand fliegen - aber es flog nicht! Noch niemand hatte diesem Entwaffnungstrick widerstanden. Der Jäger war verblüfft - und diesen Moment nutzte sein Gegner, um ihm den Stab aus der Hand zu treten. Unsanft wurde der ehemals so sichere Herr der Drachenhändler auf den Boden gestoßen und er spürte die eiskalte Spitze einer Klinge an seiner Kehle.

Der Sieger des Duells nahm endlich seine Kapuze ab. Das Gesicht eines jungen Mannes, Anfang bis Mitte zwanzig, mit dunkelbraunen Haaren und Dreitagebart kam zum Vorschein. Er kniete sich vor den besiegten Gegner und flüsterte, so dass nur es hören konnte: "Ihr dürft euren Männern nicht so vertrauen." Dann riss er ihm die Maske vom Kopf und streckte sie in die Höhe. So viele Möglichkeiten standen ihm nun offen. Er hatte sein Ziel erreicht. Er, Thorin Odinson, war der neue Jäger.

Kapitel 1: Die Versammlung Bearbeiten

Die in den Fels gehauene Halle lag im Halbdunkeln. Hier und da hörte man aufgeregtes Getuschel. Ein Mann namens "Jäger" hatte sie alle hierher versammelt - vielleicht eine Falle? Plötzlich gingen Fackeln an den Wänden an und man konnte Details erkennen: die steinernen Statuen von Drachen, den unregelmäßigen Felsboden und vor allem den Steinthron, der am Ende des länglichen Raumes stand. An den Seiten der Halle stand jeweils eine Reihe von Säulen, dahinter bedeckten Schatten das, was auch immer dort sein mochte. Im lichten Bereich hatten sich um die dreißig Wikinger versammelt. Auf einem erhöhten Podium vor dem Thron stand ein Mann mit schwarzem Umhang und dunkel gehaltener Rüstung, in der Hand hielt er einen Stab. Glücklich dachte Thorin an das vergangene Jahr zurück. Kurz nachdem er den alten Jäger besiegt hatte, waren seine Männer auf diese verlassene Insel gestoßen. Es war die perfekte Basis für die verfolgte Organisation. Denn obwohl sich die Drachenhändler durch Thorins Führung zum besseren geändert hatten - was natürlich nicht hieß, dass nicht noch der der größere Teil von ihnen aus Kopfgeldjägern und eiskalten Auftragsmördern bestand - wurden sie noch von vielen wegen ihrer vergangenen Taten gejagt. "Sie wollen es einfach nicht verstehen!", dachte Thorin verärgert. Genau das war doch der Grund seiner Übernahme: ein starker Stamm, mit dem er Fehler wieder gutmachen konnte. Aber das war seit kurzem nicht mehr ihr einziges Problem. Und genau deshalb hatte er die Drachenreiter versammelt.

Plötzlich stieß er seinen Stab auf den Boden und das Geräusch hallte von den Felswänden wieder. Sofort verstummten alle Gespräche und seine Rede begann: "Seid gegrüßt, meine Freunde! Ihr wundert euch bestimmt alle, warum ihr hier seid. Nun, ich will es euch erklären. Seit einiger Zeit gehen Gerüchte um - ihr habt sie bestimmt schon einmal gehört. Es soll eine gefallene Walküre in unseren Breiten ihr Unwesen treiben." "Pah, ihr glaubt also wirklich dem Geschwätz des Volkes?", rief ein Mann herausfordernd, doch Thorin ließ sich nicht beindrucken: "Wahrscheinlich ist es keine Walküre, aber es könnte durchaus eine gefährliche Kriegerin mit ihren Truppen auf dem Feldzug sein. Wie war dein Name nochmal? Moin?" Ein Raunen ging durch die Menge und Moin der Mächtige bleckte seine Zähne: "Niemand nennt meinen Namen laut!" Schon wollte er mit gezückter Axt auf Thorin zustürmen, da fing ihn gerade noch ein anderer Wikinger ab. "Lass mich durch, Pieter!", brüllte er Pieter Nachtschattenzähmer an, doch dieser ließ ihn nicht los. Schnell fuhr Thorin fort: "Danke, Pieter. Wo waren wir? Ach ja, bei der Kriegerin. Die ersten Berichte über sie kamen weiter westlich von hier. Seitdem sind drei Wochen vergangen und immer mehr Inseln wurden angegriffen. Sekunde - Jarizard, Projektion!" Dem Befehl folgend trat aus dem Schatten hinter den Säulen ein Nachtschatten mit orange glimmenden Augen hervor. Thorin legte eine Glasscheibe auf einen aufgestellten Tisch, der Nachtschatten öffnete sein Maul und ließ Licht aus ihm strahlen. Plötzlich erschien eine Karte an der Wand, auf der eine Linie über mehrere Inseln hinweg gezeichnet war. Staunendes Raunen ging durch die Menge. "Das nennt man eine Projektion", sagte Thorin stolz.

"Hier seht ihr die Karte unserer Welt. Die rote Linie zeigt den zeitlich geordneten Verlauf der Angriffe. Wie ihr seht, bewegt sich die Spur der Verwüstung immer mehr auf die Inseln zu, auf denen wir selber leben.", fuhr Thorin mit seiner Rede fort. "Und genau deshalb brauche ich eure Hilfe. Ich weiß, dass jeder von euch ein großartiger Drachenreiter ist, aber die Bedrohung ist wahrscheinlich zu groß: wir müssen als Gruppe kämpfen!" Eine Wikingerin mit dunklem Haar und einem dunkelroten Mantel begann zu sprechen: "Was macht Euch denn so sicher, dass diese einzelne Kämpferin mit ihren Truppen so viele von uns benötigt?" "Da muss ich Luna zustimmen", sagte Pieter Nachtschattenzähmer. Nach einer kurzen Pause sprach Thorin in einem unbehaglichen Ton: "Ehrlich gesagt, weiß ich das selber nicht so genau. Aber ich habe das Gefühl, als ob diese Kriegerin uns tatsächlich gefährlich werden könnte." Viele Gäste begannen empört mit ihren Nachbarn zu sprechen. Um die Unruhe zu überspielen, sagte Thorin schnell: "Ich zwinge euch zu nichts! Wenn ihr nicht mitmachen wollt, könnt ihr einfach aus dieser Halle gehen, auf eure Drachen steigen und nach Hause fliegen." "Und eure Inseln untergehen lassen!", rief plötzlich ein junger Mann, der bisher sehr ruhig geblieben war. Überrascht und dankbar blickte Thorin zu seinem Unterstützer - und erkannte ihn sofort. Die weißen Haare, die ruhige Ausstrahlung - Tyler, der Teilnehmer bei den Drachen-Festspielen gewesen war, hatte er nicht vergessen. "Ich glaube dem Jäger. Aber was ihr denkt, kann auch ich nicht beeinflussen", fuhr Tyler fort und ging dann mit bedächtigen Schritten zu Thorins Podium. Plötzlich kam Bewegung in die Menge. Irgendetwas hatte Tylers Ansprache bewirkt, denn jetzt teilten sich die Wikinger in zwei Gruppen. Die erste und eindeutig größere versammelte sich um Thorin und Tyler, während die andere in Richtung Ausgang strebte. Unter Thorins Unterstützern befanden sich Pieter Nachtschattenzähmer und Luna die Leuchtende, während Moin der Mächtige noch unentschlossen zwischen beiden Gruppen stand. "Komm schon", warf Pieter seinem Freund zu. "Na gut. Aber nur wegen dir, und nicht wegen diesem arroganten Jäger", giftete er, doch Pieter war zufrieden.

Kapitel 2: Die Jagd beginntBearbeiten

"Danke, dass ihr helfen wollt!", sagte Thorin, nachdem der die Mission ablehnende Teil der Wikinger Castra Draci verlassen hatte. "Aber stellt euch doch erst einmal alle vor, damit wir uns kennenlernen. Ihr könnt mich übrigens Thorin nennen" Nach einer kurzen, peinlichen Pause begann Pieter. "Ich bin Pieter Nachtschattenzähmer!" Schon ging die Namenlawine los. "Luna die Leuchtende." "Niemand sagt meinen Namen!" "Mein Name ist Tyler." "Ich heiße Astrid Sturmtochter." So ging das noch ein paar Minuten, bis alle ihren Namen genannt hatten. "Dann kommen wir doch gleich mal zum Geschäftlichen", sprach Thorin und lächelte dabei. "Am besten bilden wir alle kleine Teams und suchen dann in verschiedenen Bereichen nach dem Feind." "Pieter, M- äh, wie soll man dich denn dann nennen? Kommt ihr mit mir?", fragte Luna die beiden Wikinger neben sich. "Alles, solange es weit weg von diesem Odinson ist!", brummelte Moin. "Gut, dann brecht ihr in Richtung Lunsum auf", gab Thorin ihnen eine Anweisung.

Zur gleichen Zeit hatte sich folgendes Team gebildet: Sterkura, eine Kriegerin mit braunen Haaren und bronzenen Brustpanzer, und ihre beiden Halbbrüder Lygari und Huggrakur. Nach einer langen Suche hatten die beiden endlich ihre Halbschwester gefunden und wollten sie jetzt nicht noch einmal verlassen. Thorin schickte sie zum Mordgebirge, denn obwohl diese karge Region keine Dörfer beherbergte, musste auch dieser Bereich abgedeckt werden. Die Leute der Walküre konnten ja einen Umweg über das Gebirge nehmen, um über unbewachte Inseln weiter im Osten herzufallen. Eine dritte Gruppe hatte die Aufgabe, den Brandwald und die Küstenlinie, die im Süden des Waldes lag zu bewachen.

Zufrieden sprach Thorin nun wieder zu der Versammelten: "Gut, dann gibt es eine Grenze zwischen unseren Gebieten und den vielleicht schon eroberten, an der die Walküre mit ihren Leuten unbedingt vorbei muss." "Und was ist mit dem Rest?", fragte eine andere Wikingerin sichtlich enttäuscht und zustimmendes Gemurmel kam dazu. "Ihr habt natürlich auch eine wichtige Aufgabe... Astrid, oder?", erklärte Thorin und fuhr nach einem Nicken von Astrid Sturmtochter fort. "Ihr wartet hier in Castra Draci mit mir auf eine Meldung der Patrouillen. Solange-" Enttäuschtes Aufstöhnen unterbrach ihn. "Aber wenn ihr wollt, kann ich euch eine Führung durch die Hallen geben und meine Leute haben für euch tolle Zimmer vorbereitet", sagte er schnell und diplomatisch - das war zumindest seine Absicht. Die Reaktion der versammelten Wikinger fiel weit weniger begeistert aus als erwünscht. Ein Mann mittleren Alters, dessen ergrautes Haar kurz geschnitten war, trat an Thorin heran und unterhielt sich leise mit ihm. "Tut das", murmelte Thorin gedankenverloren und der gab die Befehle an andere Drachenfänger weiter, die sich während der ganzen Besprechung für Aufgaben bereitgehalten hatten. Jeder von ihnen geleitete daraufhin einen der Wikinger in dessen Gästezimmer. Der grauhaarige Mann selber ging der Gruppe um Moin hinterher.

Thorin dachte währenddessen über sein Leben bei den Drachenhändlern nach. Durch seine großen Änderungen am einfachen System der Organisation - welches aus Fangen, Verkaufen, wenn nötig Töten bestand - hatte er sich viele Feinde gemacht. Den einzigen Drachenhändler, den er vielleicht noch als Freund bezeichnen könnte, war Harald. Es war der Mann, dem er gerade Anweisungen erteilt hatte. Vielleicht half es ja, wenn seine Gäste in - für die Verhältnisse von Castra Draci - schönen Unterkünften auf andere Gedanken kamen. Die Unzufriedenheit war für ihre Mission sicherlich nicht hilflich. Was hatte er auch anderes erwartet? Natürlich war Warten etwas, was viele nicht ausstehen konnten. Auch er selber hasste es, auf die Handlungen anderer vertrauen zu müssen. Aber auch zu viele Wikinger an einem Fleck hätten dieser Mission nur geschadet. Sein Gedankenspiel wäre wohl noch ewig so weiter gegangen, wenn ihn nicht die Stimme einer Frau daraus geweckt hätte. "Hey, hallo!", sagte Astrid Sturmtochter zu ihm, wie zu einem Aufwachenden. Peinlich wurde ihm bewusst, dass sie und Tyler, der hinter der Wikingerin stand, ihn schon länger gerufen haben mussten. "Wir würden gerne diese Tour durch Castra Draci machen."

Kapitel 3: In die Luft Bearbeiten

Harald war während der ganzen Rede ruhig im Schatten des Steinthrons gestanden. Er hatte die versammelten Wikinger beobachtet. Besonders aufgefallen waren ihm dabei Moin, Luna und Pieter. Vielleicht sollte er auf ein wenig auf sie aufpassen, vor allem auf Moin. Als die Besprechung schließlich zu ihrem Ende gekommen war, hatte er Thorin darum gebeten, die drei Wikinger bis zu den Startplattformen begleiten zu können. Nun lief er also unauffällig der Gruppe hinterher, die gerade dabei war, die Halle zu verlassen. Als sie durch einen Felsbogen, den Ausgang der Halle, laufen wollten, verstellten ihnen zwei gut gepanzerte Wachen den Weg. Die größere von beiden fragte: "Wo wollt ihr denn so eilig hin?" "Zu unseren Drachen - und wenn ihr uns nicht durchlasst, dann werdet ihr meine Axt spüren!", fuhr Moin sie an. Harald fand, dass es an der Zeit war, sich einzumischen. "Lasst sie durch! Sie haben meine Erlaubnis und die des Jägers." "J-ja, natürlich", stammelte die kleinere Wache. Sie war nicht älter als 20 und wohl neu bei den Drachenhändlern - und dadurch noch ziemlich verunsichert. Wiese erlaubt Thorin es solchen Schwächlingen, bei uns mitzumachen...", fragte sich Harald innerlich. Im Augenwinkel bekam er mit, wie Moin der Wache einen mörderischen Blick zuwarf - was die Wache noch mehr einschüchterte und Moin anscheinend tierisch Spaß machte.

Die fünfköpfige Gruppe , angeführt von der älteren Wache, schritt im rötlichen Schein einer Fackel durch lange und verzweigte Felskorridore. Ihre Schatten waberten über die Wand und bildeten bizarre Formen. Harald lief in Gedanken ging in Gedanken versunken ganz hinten. Schließlich wurde es heller und man konnte schon das Ende des Ganges sehen. Noch ein paar Schritte und die Wikinger standen unter der strahlenden Sonne. Harald blieb allerdings am Felseingang stehen. Noch bevor sich seine Augen an das helle Licht gewöhnt hatten, hörte er das vertraute Knarzen der Holzplanken und das laute Rauschen des Windes. "Das ist eine Falle!", brüllte Moin plötzlich, doch die starrten ihn nur ungläubig an. "Also manchmal reagierst du wirklich total über. Das ist nur die Plattform! Vertrau' Thorin doch einfach mal - er mag ja Fehler machen, aber die Mission muss ihm wirklich wichtig sein!", sagte Luna abschätzig zu ihm. "Wer hat mich denn in deine Gruppe eingeladen, na?", konterte Moin sofort in einem zornigen Ton. Plötzlich wurden beide am Kragen in die Höhe gerissen. "Sonnenbrand, lass das!", brüllte Moin seinen Drachen an, während er wenig ehrenhaft vor dem Sandgeist in der Luft baumelte. Luna, deren Nachtschattenweibchen Nachtblitz sie ebenfalls in diese Lage brachte, sparte sich zwar wütende Worte, zog aber einen Flunsch. "Die Reiter spinnefeind, die Drachen ein Superteam...", murmelte Harald grinsend.

Pieter, Moin und Luna standen alle bei ihren Drachen und bereiteten sich auf den Flug vor. Während Luna und Moin mit ihren Drachen schimpften, führt Pieter die gewohnten Handgriffe mit Sattel und den anderen Utensilien ruhig und im Einklang mit seinem Drachen aus. Pieters Drache hieß Feuersturm. Eigentlich hatte er das Nachtschattenmännchen vor langer Zeit schon freigelassen, doch oft kehrte es wieder zu ihm zurück. Trotz aller Ärgernisse schafften es schlussendlich doch alle Drachenreiter ihre Drachen zu satteln und flugbereit auf der Startplattform zu warten. "Alle bereit?", fragte Pieter das Team. Ein einstimmiges "Ja" und drei Drachen erhoben sich anmutig in die Lüfte. Schon schossen sie nach vorne, ließen die Plattform hinter sich. Harald lehnte am Felsen und sah ihnen nach. Wie erwartet sahen sie alle noch einmal zurück. Harald konnte zwar ihrer Gesichter nicht genau erkennen, aber er war sich sicher, dass sie alle staunten. Thorin hatte die Plattformen so konstruiert, dass sie von oben von einem Felsvorsprung verdeckt waren. "Stil hat Thorin schon", dachte er sich zufrieden.

Kapitel 4: Castra Draci Bearbeiten

Thorin lief durch die Felskorridore, die nun schon fast ein ganzes Jahr seine Heimat waren. Trotzdem wirkten sie noch feindlich, als würden sie ihn abstoßen wollen. Vielleicht lag das an der Stimmung seiner Männer, vielleicht lag es daran, dass er immer noch zurück nach Mingard wollte. Hinter ihm gingen Tyler und Astrid. Beide fanden das gewundene Felsenlabyrinth eher spannend. Als erstes hatte er ihnen die Versammlungshalle in allen Einzelheiten erklärt. Vor vielen Jahrhunderten war Castra Draci die Heimat des legendären Drachenreiters Menterior gewesen. Damals hatte die Versammlungshalle "Halle der Ehre" geheißen, weil Menterior dort Statuen verstorbener Drachen aufstellte - als letzte Ehre. "Dort seht ihr zum Beispiel Antares, Menteriors Nachtschatten", hatte Thorin seinen Zuhörern erklärt. "Wie ist er gestorben?", hatte Astrid daraufhin gefragt. Doch darauf hatte auch Thorin keine Antwort gehabt und so hatte er nur mit den Schultern gezuckt.

Jetzt gingen Thorin, Astrid und Tyler durch die Korridore der Gipfelebene, auf der die Versammlungshalle und die Quartiere der höherrangigen Drachenhändler lagen. Astrids Frage hatte Thorin wieder an den Tod seiner Drachen denken lassen. Adeus hatte er in der Schlacht von Mingard verloren und Orion bei den Drachen-Festspielen, doch eigentlich hätte ihn seine sechsjährige Ausbildung bei Valentin dem Jäger immun gegen diese Verluste machen müssen. Trotzdem musste er manchmal einfach noch daran denken. "Wo sind dann eigentlich unsere Zimmer?", fragte Tyler plötzlich. Thorins Antwort kam sofort - vielleicht konnte er sich ja so von seinen Gedanken ablenken: "Eure Zimmer sind in der Hangarebene. Wir müssen nur die Treppen am Ende dieses Ganges runtergehen und dann kommen gleich die Gästezimmer." Die drei Wikinger beschleunigten ihre Schritte und nach einigen Kurven und Treppen standen sie vor Astrids Zimmer. Es war eigentlich nicht mehr als eine in den Fels gehauene Kammer, doch für Castra Draci war sie recht luxuriös eingerichtet. Der Eingang war von einem roten Stofftuch verhangen, auf dem gestickte Drachen abgebildet waren. In der Kammer stand ein Bett mit Stroh als Unterlage und auch hier lag ein Stofftuch mit Stickereien. Daneben stand ein Gestell, in dem man seine Waffen und andere Gegenstände deponieren konnte. Licht kam von einer flackernden Öllampe über dem Eingang. Astrid sah sich skeptisch um: "Und das Loch da hinten. Sicher, dass wir nicht am Ende eines Abwasserschachts stehen?" "Nein, das ist das Lüftungssystem", sagte Thorin lächelnd.

Thorin zeigte seinen Gästen noch die Vorratskammern, den Schlafsaal der niederrangigen Drachenhändler und die Drachengehege in der Höhlenebene samt Aufzug, mit dem die Drachen nach oben befördert werden konnten. Dieses Wunderwerk der Technik brachte sie dann auch zum Höhepunkt der Führung: die Abflugplattformen. Die hölzerne Konstruktion war mit gewaltigen Eisennägeln und Stützbalken aus Holz am Felsen befästigt. Obwohl die Plattformen nur ein paar Meter nach vorne ragten, stand auf ihnen allerlei Ausrüstung, um seinen Drachen flugbereit zu machen. In einer Halterung stapelten sich kunstvolle Sättel, in einer anderen waren Tragtaschen aus Leder verstaut. Das Holz knarzte beunruhigend, doch Thorin meinte: "Das hat schon einige Jahre lang gehalten, da wird es jetzt auch nicht zusammenbrechen." Er musste grinsen, als er den skeptischen Gesichtsausdruck von Tyler sah. "Aber das eigentlich Wichtigste sieht man erst, wenn man in der Luft ist", fuhr Thorin fort. Daraufhin forderte er Tyler und Astrid zum Warten auf und ging zurück zum Aufzug. Er sprach kurz mit einem Mann, der dort stand, und zwei Minuten später standen drei Drachen auf den Abflugplattformen - Thorins Nachtschatten Jarizard, Tylers orangfarbene Funkelrüsche Ripper und Astrids schimmernder Klingenpeitschling Klingenfeuer. "Kommt!", rief Thorin und schwang sich auf seinen Drachen. Die drei Drachenreiter hoben ab und flogen in Spiralen nach oben. "Und jetzt schaut mal nach unten!", empfahl Thorin den anderen. Tyler und Astrid staunten nicht schlecht, als sie nichts als den kahlen Berg sahen. Beim Steigflug hatten sie nicht darauf geachtet, was unter ihnen passiert war, und so hatten sie nicht mitbekommen, dass die Plattformen durch einen Felsvorsprung über diesen aus ihrem Blickfeld verschwunden waren. Nachdem Thorin sie darüber aufgeklärt hatte, flogen die drei Drachenreiter lachend noch ein paar Runden um den Berg, bis sie schließlich wieder ins Innere von Castra Draci zurückkehrten.

Bonuskapitel: Die Geißelnahme Bearbeiten

Drei Drachen jagten über den Himmel und durchstießen die Wolkendecke. Ihren Reitern brannte der Wind in den Augen, doch sie genossen den rasanten Flug. "Seht mal was ich kann!", brüllte Lygari seinem Bruder Hugrakkur und seiner Halbschwester Sterkura zu, welche beide nur die Augen verdrehten. Lygari vollführte einen Looping, kombiniert mit einer Seitrolle. Was auch ein wahrhaftig gutes Kunststück gewesen wäre - hätte Lygaris Drache, das Nachtschattenweibchen Ferskura mit ihren violetten Augen, ihn nicht allein vollendet. Verdutzt bemerkte sie, dass ihr Reiter nicht mehr auf ihr saß und schoss sofort durch die Wolken nach unten. Hugrakkur sah ihr schockiert nach, doch Sterkura machte eine abwinkende Geste und sagte trocken: "Der kommt schon wieder. Auf seinen Drachen kann man sich besser verlassen als auf ihn." Und so war es auch. Nur wenige Augenblicke tauchte erst der Kopf und dann der ganze Körper eines Nachtschattens aus den Wolken auf. Auf ihm saß ein sichtlich verängstigter Lygari. Schnell holten die beiden zum Rest der Gruppe auf, und Lygari begann sofort, sich zu rechtfertigen: "Das gehörte natürlich alles zum Trick! Ferskura war nur viel zu langsam." "Hätte sie dich doch nur nicht gefangen", murmelte Sterkura genervt.

Nach einem stundenlangen Flug gab die Wikingerin an der Spitze der Gruppe endlich das Zeichen zum Landen. Jeder der drei Drachen begann mit einem mehr oder weniger steilen Sturzflug. Bald schon verdeckten ihnen die Wolken nicht mehr die Sicht und sie sahen ihr Ziel, schön wie tödlich. Ketten aus Fels ragten wie ein Rückgrat aus dem Boden heraus. Der blendende Schnee umgab die Gipfel und weiter unten sah man bizarre Steinformationen. "Man könnte fast meinen, hier läge ein versteinerter Drache", sagte Hugrakkur ehrfüchtig. "Na ja, in der Art. Zwei Rote Tode haben hier einmal gekämpft. Und aus den Trümmern der Schlacht wurde das Mordgebirge.", erklärte ihm Sterkura. Sie glitten auf ihren Drachen noch einige Minuten über das atemberaubende Panorama dahin, dann erspähte die Wikingerin einen geeigneten Platz zum Landen. "Da hin!", kam ihre Anweisung und sie deutete auf eine Höhle an einem Hang der höheren Berge. "Wieso so hoch? Da frieren wir doch total!", beschwerte sich Lygari, doch Sterkura ging nicht darauf ein. Dafür tröstete Huggrakur belustigt seinen Bruder: "Dafür haben wir einen besseren Ausblick und können bald wieder gehen."

Die Sonne verschwand langsam hinter den Bergen und auf dem Vorsprung vor der Höhle wurde es kalt. Die drei Wikinger hatten sich dicht an ein Lagerfeuer gesetzt und froren trotzdem. "Aber es hört ja niemand auf mich!", nörgelte Lygari. Die drei Drachen hatten es sich in der Höhle gemütlich gemacht und wärmten sich gegenseitig. "Du könntest dich ja zu den Drachen gesellen, aber dazu bist du ja zu vornehm", gab Sterkura bissig zurück. Hugrakkur saß nur still und erschöpft da. So vergingen ein paar Stunden, durch die sich die Gruppe mit Diskussionen und anderen Wachhalte-Versuchen stahl. Doch irgendwann gewann ihre Müdigkeit gegen die Pflichtbewusstheit und Sterkura übernahm die erste Wache, während ihre Halbbrüder schlafen gehen sollten. Ihr Nadder Windsturm kam zu ihr und legte sich schützend um sie. "Danke. Manchmal glaube ich, du bist mein einziger Verbündeter in dieser Welt", vertraute ihr die Wikingerin an. "Klar, meine Halbbrüder sind zwar auch noch da - und Hugrakkur ist ja auch ganz in Ordnung. Aber Lygari ist ein verdammter Angeber, der -" Sie unterbrach ihren Wortschwall, sprang auf und sah sich mit wachsamen Augen um. "Hier stimmt etwas nicht. Schnell wir müssen die anderen...aargh!" Doch was auch immer sie sagen wollte, ein Schlag von hinten schnitt ihr die Worte ab. Sie fiel unsanft auf den Boden und schnappte nach Luft. Eine große Hand riss sie in die Höhe und drehte sie grob um. Sie blickte in ein ungeschlachtes Gesicht mit großen dunklen Augen, einer Narbe über das Kinn und einem zahnlosen Grinsen. "Welch rührende Geschichte. Aber hier wird keiner gewarnt!", sagte der Mann, dem dieses Gesicht gehörte, hämisch. Sein bulliger Körper mit dem schmutzigen Lederwams passte gut dazu. Allerdings hatte der Mann nicht mit Sterkuras Kampfgeschick gerechnet, und schon fiel er stöhnend auf den Boden. Die Wikingerin wusste, wo sie zuschlagen musste, das war klar. Aber ihre Lage war aussichtslos: die drei Drachen und ihre Halbbrüder lagen gefesselt am Rand der Höhle und Sterkura selber war von mehreren Kriegern umzingelt. Sie waren sofort nach dem ersten Mann aufgetaucht und hatten Sterkuras Gruppe überrumpelt. Die Wikingerin war mutig und kampferprobt, ohne Frage, doch sie wusste, wann sie verloren hatte. Und zwar jetzt.

Plötzlich erklang aus dem Nirgendwo die schneidende Stimme einer Frau: "Lasst mich durch!" Der Kreis der Angreifer teilte sich und eine Frau mit hellbraunen Haaren und einer Streitaxt über ihrer Schulter trat auf Sterkura zu. "Walküre", Sterkura spuckte dieses Wort förmlich aus. "Warum denn so unfreundlich? Nun ja, ich kann es verstehen, ich meine wir haben euch mitten in der Nacht überfallen und so, aber-", die Frau stutzte, als sie Sterkuras irritierte Miene sah. "Was ist denn? Noch nie einer anderen Kriegerin begegnet? Oder - auch egal. Wir wollen euch jedenfalls einen fairen Kampf liefern. Deine Brüder-" "Halbbrüder!", unterbrach sie Sterkura kampflustig.

Hugrakkur hörte das Gespräch aus der Ferne mit an. Was auch immer diese Walküre vorhatte, es klang weniger schlimm, als erwartet. Aber sie hatten trotzdem seine Halbschwester! Wenigstens lieferte diese sich mit der Angreiferin ein tolles Wortgefecht. Die Frauen waren sich ebenbürtig, zumindest im Reden. Gekämpft hatte die Walküre ja noch nicht, aber die Streitaxt auf ihrem Rücken... Ein Ruf riss ihn aus seinen Gedanken. "Komm schon, Kaira, wir müssen los", kam es von einem Mann mit fettigem, schwarzen Haar und einem ebenso dunklen Bart. "Nenn mich nicht so", zischte die Walküre ihn an. Trotzdem gab sie den Männern den Befehl zum Abzug. Alle Angreifer traten an den Rand des Vorsprungs und riefen die unterschiedlichsten Namen. Und die unterschiedlichsten Drachen kamen auf Hähe des Vorsprungs geflogen. Ein paar Männer fesselten Sterkura, während die Walküre schon auf einen Sturmschneid und der Mann mit dem fettigen Haar auf einen Riesenhaften Albtraum stieg. Die Farben konnte man im erlöschenden Zwielicht des Lagerfeuers nicht erkennen. Es kam ein weiterer Befehl von der Walküre und zwei Männer zogen die sich windende Sterkura auf den Rücken eines Wahnsinnigen Zippers. Sie selber ritten auf jeweils einem Kopf. Dann setzten sich alle Drachen in Bewegung und ließen Lygari, Hugrakkur und deren Drachen zurück. Panisch und wütend zugleich versuchte Hugrakkur seine Fesseln zu lösen, doch so leicht hatten sie es ihm nicht gemacht. Lygari und er hatten Sterkura verloren - schon wieder.